Bistro-Piccadilly-Revival-Party am 23. Juni 2018 bei Passmanns

Nachtgedanken

Denk ich ans Bistro in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Erinnerungen fließen 😉

Once Upon a Time in Bottrop!

Als der Piccadilly-Club in den 1960er Jahren seine Pforten öffnete, war er einer der ersten Diskotheken in Deutschland überhaupt, weit über die Stadtgrenzen bekannt. Sogar Radio Bremen und der WDR nutzten die Clubräume für Fernsehaufnahmen. Doch wir wollen hier nicht über die „Schulz-Ära“ sinnieren. Uns interessieren die 70er und frühen 80er Jahre. Deshalb spule ich hier mal etwas vor, direkt ins Jahr 1976, ein wendungsreiches, tolles Jahr: 1976 gab es den Jahrhundert-Sommer und den Jahrhundert-Wein. Das Kolpinghaus (Gaststätte und Veranstaltungssaal)  wurde geschlossen, bis dato der Schüler und Studententreff in Bottrop. Hier soff sich Bottrops desillusionierte „linke Szene“ ins Koma 😉 Ich drehte 1976 meinen zweiten Spielfilm und Erika und Klaus Wermke übernahmen das „Bistro-Piccadilly“.

Bistro-Piccadilly-Revival-Party am 23. Juni 2018

Ich betrat das Bistro das erste Mal in den 1970ern, da war der Laden schon aufgeteilt: im vorderen Bereich befand sich das Bistro (die Kneipe) und im hinteren Bereich die Diskothek. Das Bistro öffnete um 11 Uhr vormittags und war um 12 Uhr mittags bereits gerappelt voll, ebenso die Gäste. „Saufen oder raus hier!“ so begrüßte „Chefzapfer“ Hermann Euskirchen gerne scherzhaft seine Gäste. Das ließ sich die „linke Szene“ nicht zweimal sagen, war man doch gerade auf der Suche nach einem neuen Treffpunkt. Und so bekam der Laden 1976 mit Erika und Klaus nicht nur ein neues Besitzerduo, auch das Publikum veränderte sich und bescherte dem Club einen einzigartigen Auftrieb. Hier trafen sich fortan alle soziale Schichten, Arbeiter und Unternehmer. Polizisten und Kiffer, Schüler und Studenten. Heute politisch unkorrekt, damals einfach nur lecker, die „Türkenwurst“. Hier konnten Nachtschwärmer noch um 4 Uhr morgens leckere Hamburger und zarte Steaks genießen.

Und wer von den ehemaligen Besuchern hat nicht noch heute die Stimme von DJ Spatz im Ohr. Hier wurden einige Gäste auch gleich mit einer bombastischen Lautsprecherdurchsage begrüßt. Der Schatten der Vergangenheit mag ja so mach eine Erinnerung übertünchen und in fälschlicher Weise idealisieren, aber für Viele meiner Generation bleibt das PIC ein unerreichbarer Sehnsuchtsort, ein wesentlicher Bestandteil unserer Jugend. Im Bistro-Piccadilly wurden Freundschaften geschlossen und Netzwerke geknüpft. 1986 war dann auch diese Ära vorbei. An der Peterstraße, wo wir einst bis in den frühen Morgen über Gott und die Wissenschaft diskutiert hatten, wo Träume geschmiedet wurden – die sich sogar erfüllten oder erst Jahre später zerbrachen – werden heute Rollatoren verkauft.

Hermann Euskirchen sagte mal zu mir: „Ihr seid doch alle an meiner Theke erwachsen geworden“! Ich mag ihm da nicht widersprechen!

Übrigens, auch Reimbern von Wedel-Parlow stand hier lange Zeit an der Zapfsäule. Na ja, der Spirit der 1970er Jahre hat ja bekanntlich bei Passmanns einen Stammtisch!

Ich hoffe, wir sehen uns auf der Bistro-Piccadilly-Revival-Party am 23. Juni 2018 in der Bottroper Kult(ur)kneipe Passmanns!

Udo Schucker

Plakat von Jens Langhoff